Allgemeines zur Festgestaltung
Schwungtuch


Das Feiern von Festen gehört zur bewährten Tradition des Kindergartens.
Feste sind wesentliche Bildungs- und Erziehungsfaktoren im Gesamtgeschehen eines Kindergartens und ersehnte Höhepunkte im Laufe des Jahres.

Bedeutung eines Festes für das Kind:
Feste bedeuten freudige Ereignisse für die Gruppe oder auch für das einzelne Kind. Sie sind mit Tätigkeiten verbunden, die intensive Daseinsfreude und Emotionen auslösen können. Dadurch verändert sich der Alltag.
Feste gliedern das Jahr in verschiedene Abschnitte, die für das Kind überschaubar sind und verhelfen ihm so zum Erfassen einer Zeitstruktur.
Im festlichen Tun gewinnt das Kind Einblick in den Sinn eines Festes, lernt Symbole deuten und macht Erfahrungen mit traditionellen Elementen.

Phasen eines Festes:
Für das Kind beginnt das Fest bei der Festvorbereitung und schließt erst mit der Phase des Ausklangs.
Alle drei Momente - Vorbereitung, Durchführung und Ausklang sind wesentlich und von großer Bedeutung.
Je nach Art des Festes werden aber Dauer und Intensität dieser drei Phasen verschieden sein.
In den Vorbereitungsteil
fällt eine gemeinsame Planung eines überschaubaren Festablaufes, die Gestaltung von Festschmuck, Geschenken, Preisen und Einladungen. Da die Beherrschung von Spielformen, Lied- und Spruchgut ausschlaggebend für das Niveau eines Festes ist, gehört die Erarbeitung oder Vertiefung dieser Festelemente in die Vorbereitungszeit. Wichtig ist die Zeitdauer der Vorbereitungsphase, weil sie einerseits die Vorfreude auf das Fest erhöht und daher keine Überdehnung verträgt, andererseits aber durch einen zu knappen Zeitraum Hektik und Überforderung bei Kindern und ErzieherInnen auslösen kann. Als wesentliche Hilfe hat sich die Einbeziehung der Eltern für zeitaufwendige, vorgegebene Arbeiten gezeigt. Damit wird nicht nur die KindergärtnerIn entlastet, sondern bei den Eltern Interesse und Mitverantwortung für das Vorhaben geweckt.
Der Festablauf und die konkrete Durchführung lebt von den Beiträgen jedes einzelnen Teilnehmers. Je mehr ein Kind in der Gemeinschaft tun kann, umso intensiver kann es mitfeiern, umso nachhaltiger wird der Festeindruck sein. Daher müssen besonders beim jungen Kind viele Möglichkeiten für das aktive Tun geschaffen werden. Die richtige Verteilung von Aufgaben wie z. B. Kerzen tragen, Tischschmuck richten u. ä. spielt eine große Rolle.
Unverzichtbar gehört zum Fest das Ausklingen lassen. Das Kind braucht Gelegenheit, um Festeindrücke zu vertiefen und nachvollziehen zu können. Dem Festcharakter angepasste besondere Materialien, wie z. B. Gold und Silberstifte, Gegenstände für das Rollenspiel, etc. ermöglichen das Ausspielen und Vertiefen eines Festes. Medien wie Video, Tonaufnahmen, Dias, ... eignen sich gut für solche Zwecke. Gemeinsames Aufräumen eventuell auch erst am nächsten Tag, die Wiedergestaltung des Gruppenraumes nach dem Fest. Sorgfältiges Verpacken von speziellem Festschmuck, der nur zu bestimmten Festen verwendet und nachher wieder aufbewahrt wird, ist in manchen Kindergärten zur Festtradition geworden.

Begegnung mit Kultur und Brauchtum:
Fest und Kultur sind nicht voneinander zu trennen.
In der heutigen Zeit scheint es oft so, dass Feste durch die Fülle des Angebots nichts besonderes mehr sein können und Festgenüsse das ganze Jahr hindurch erreichbar sind.
Auch beim Festkalender des Kindergartens kann es leicht zu einem Überangebot kommen, wenn nicht mit genauer Überlegung und Begründung rechtzeitig manches herausgestrichen wird.

Anlässe für ein Fest:
Ein unbestrittener Wert guter Festtradition des Kindergartens liegt darin, dass Kinder durch zwei oder drei Jahre hindurch erleben können, dass bestimmte Feste mit einem geliebten Ritual mit Sicherheit wiederholt werden.
Diese Festtradition ist dem Kind hilfreich, weil sie ihm Sicherheit bietet und ihm das Fest von Jahr zu Jahr auf einer höheren Entwicklungsstufe anders erleben lässt.
Der Festkalender des Kindergartens weist Feste auf, die voraussehbar und lange vorher planbar sind. Auch Feste die in der Gruppe spontan entstehen können, sollten ihren Platz haben.
Zu den vorhersehbaren Festen gehören die persönlichen Feste des einzelnen Kindes der Gruppe, Feste des Kirchenjahres und traditionelle Feste eines Kindergartens oder einer Gruppe. Diese Feste werden im Aufwand der Vorbereitung pro Jahr und Gruppe unterschiedlich sein.
Durch die vielen Geburtstage in einer Gruppe ist ein exaktes Festritual, das nicht zu viel Zeit im Tagesablauf beansprucht, wichtig. Ebenso bedeutend wie die kleine Feier ist dem Geburtstagskind das Erlebnis, dass ihm an diesem Tag besondere Privilegien, wie z. B. Vorrang in der Spielwahl, zugestanden werden.
Bei religiösen Festen ist darauf zu achten, dass durch einfache aber wesentliche Festaussagen Feierformen im späteren Alter weiterentwickelt werden können. Ein noch junges kirchliches Fest, mit einer ungefähr vierzigjährigen Festtradition, ist das Martinsfest. Überraschend schnell bürgerte es sich in den Kindergärten ein und
zählt derzeit zu einem der beliebtesten kirchlichen Kinderfeste.
Völlig aus der Jahresplanung fällt das Spontanfest. Es ist eng mit der Erlebniswelt des Kindes verbunden und entsteht dann, wenn Kinder sich intensiv mit einer Sache über einen längeren Zeitraum befassen, so dass ein tiefer emotionaler Bezug entsteht und das Bedrürfnis heranwächst, diese Auseinandersetzungen mit einem Fest abzuschließen. Am Spontanfest wird ein Naturbedürfnis des Menschen sichtbar; gemeinsames Tun, das erschöpfend und erfolgreich war, festlich zu beenden. Das Spontanfest benötigt so wie jedes Fest eine exakte Vorbereitungsphase.

Mögliche Elemente eines Festes:
- Musik hören
- Tanzen
- Lieder singen
- Spielen
- Ein Geschenk bekommen
- Etwas schenken
- Etwas gutes Essen
- Kinder einladen
- Spielen mit Erwachsenen
- Eis essen
- Schön anziehen
- Verkleiden
- Kasperltheater
An Festen sollen die Kinder mit allem Sinnen aktiv teilnehmen können

Persönlich Aufgabe des Erziehers:
Festerlebnisse der frühen Kindheit prägen sich tief ein. Das beweisen die vielen Erzählungen Erwachsener aus ihrer Kindergartenzeit. Darum ist es wichtig, dass man sich als KindergärtnerIn persönlich mit dem Festinhalt auseinandersetzt.
Der Sinn des Festes wird vielfach durch Symbole, Schmuck und (Kult-) Gegenstände ausgedrückt. Hier kann die/der ErzieherIn durch gezielte Auswahl und sparsame Anwendung einen bedeutungsvollen Festbeitrag für Kinder und Eltern bringen.

Freude am Fest:
Durch das Erlebnis eines Festes in der Gemeinschaft von Gleichaltrigen kann das einzelne Kind lernen, über sein Ich hinauszuwachsen: Es kann sich mit anderen Kindern freuen, also lernen seine Freude zu teilen; Es kann erleben, wie schön es ist, selbst etwas geschenkt zu bekommen. Aber auch welche Freude es ist, anderen etwas zu schenken; Es kann neue Feste und Feierformen kennenlernen, die sich vom persönlichen Stil der Familie unterscheiden.

Vom Schenken und Beschenkt werden:
Zum Aufbau einer Geschenkkultur in kindlichen Dimensionen beizutragen, gehört zu den wichtigen Aufgaben des Kindergartens. Es können ganz kleine Aufmerksamkeiten (wie selbstgestaltetes oder gezeichnetes) sein, die sich die Kinder untereinander schenken, die sie für die Mitarbeiter im Kindergarten, für Eltern und Großeltern, für kranke Kinder, für Menschen im Altersheim, ... vorbereiten. Es geht dabei mehr um die liebevolle Ausgestaltung als um die Größe des Geschenkes. Die Freude am Schenken und Teilen sollte im Vordergrund stehen.

Wie Kinder Freude erleben:
Sowohl in wissenschaftlichen Untersuchungen als auch in der Praxis hat sich bei Beobachtungen gezeigt, dass Kinder festliche Stunden anders als Erwachsene erleben. Sie freuen sich und lachen über andere Dinge als Erwachsene. es sind vor allem die kleinen Freuden, die das Glücksbedürfnis der Kinder erfüllen. So können paradoxerweise sogar unvorhergesehene Pausen und Pannen, die auch bei noch so guter Organisation des Festablaufes auftreten können, für die Kinder besonders wichtig sein. Sie bieten die Möglichkeiten zum Herumkramen, Herumtändeln, Sich - gegenseitig - Bewundern im Festgewand u. ä.
Die Summe der angespannten Elemente bei einem Fest und die Anzahl der entspannten Situationen sollte gut ausgewogen sein. Festliche Stunden dürfen die Kinder werde durch zu langes Zuhörenmüssen ermüden, noch durch zu wilde Spiele überreizen.
Ein anderer Gesichtspunkt, der zur Freude der Kinder gehört, ist das aktive Tun. So wollen Kinder zur festlichen Stunde nicht nur feierlich herumgeführt werden, nicht nur sitzen, zuhören oder schauen, sondern am gemeinsamen, vorher besprochenen Programm mitgestalten.